Tuesday, 30 January 2007Posted by admin

Für alle, die nicht an den Holocaust glauben. An alle, die meinen “Es ist ja lange her, man kann ja wohl wieder was schlechtes über Juden sagen”. Und erst recht an alle, die glauben alles gesehen zu haben. Das Fotoarchiv von Buchenwald ist überaus surfenswert. Tipp: Die Fotos brauchen manchmal sehr lange, um zu laden.

Ein Freund von mir hat 4 Jahre an seinem Stammbaum gearbeitet und recherchiert. Vor kurzem durfte ich das Ergebnis sehen. 188 Kreuze zwischen 1943 und 1945. Von seinen Onkeln und Tanten ist niemand übrig geblieben. Dazu fällt mir die traurigste Geschichte ein, die ich kenne. Es ist die Geschichte eines Freundes und Nachbarn.

Er stammt aus Deutschland, sein Vater war Schauspieler. Lange hatten Sie sich bei einem Lehrer versteckt, dessen Sohn ich auch persönlich kennenlernen durfte. Der mutige Lehrer hatte die Familie bei sich untergebracht, eine ganze Familie. Doch irgendwann wurde es zu gefährlich. Sie entschieden sich nach Großbritannien zu fliehen und wählten den Zug.

Am Bahnhof wollte sich seine Frau von ihm verabschieden, und vom 14 jährigen Sohn. Aber er meinte, dass sie alle durchkommen. Sie versteckten sich also unter den Koffern im Gepäcklager der verschiedenen Wagons. An der Grenze wurde alles kontrolliert und der Zug fuhr weiter zu einer französischen Stadt in der Nähe der Küste. Er stieg aus und wartete auf seine Frau und Kinder.

Sie kamen nicht. Und er hatte sich noch nicht einmal verabschieden können.

7 Responses to “Fotoarchiv Buchenwald für alle Verweigerer”

  1. Ju Says:

    heute las ich in der zeitung dass einige touristen das mahnmal als toilette genutzt haetten…sowas kann ich nicht verstehen.
    du musst wissen, ich bin aeusserst interessiert an dem thema, habe eine facharbeit vor vielen jahren dazu geschrieben und frage gerne immer die aeltere generationen aus, natuerlich verschlinge ich auch saemtliche buecher.
    problem ist nur, dass es bei meiner familie nicht soo viel spannendes zu erzaehlen gibt. mein kuerzlich verstorbener opa wurde im krieg ausgebombt und sprach aus prinzip nicht darueber, seine eltern kamen dabei um. der vater meiner oma war chefarzt der uniklinik koeln, sie kann mir zwar etwas erzaehlen, aber sie hat halt von der nahrungsmittelknappheit am wenigsten mitbekommen. die eltern meiner anderen grosseltern waren auch deutsch seit generationen, ich kenne aber eine geschichte, dass meine oma vaeterlicherseits in den bdm (bund dt maedel) eintreten sollte, ihr vater aber wohl noch dahin maschiert ist, und es durchgesetzt hat, dass sie nicht eingetreten ist. diese seite der familie hatte immer eine stark abwehrende haltung gegen hitler, gut, die andere familienhaelfte auch, aber sie haben wohl wie so viele damals dem schrecken keinen einhalt geboten.
    der opa einer freundin war allerdings offizier auf einem schiff in der nazizeit, leider ist er tod, aber seine oma erzaehlt immer eine menge, er war wohl nazi wie er im buche steht, auch sie redet jetzt imemr noch abfaellig ueber saemtliche auslaender und es existieren sogar noch abzeichen etc…sehr spannend.

    aber ich wuerde so gerne mal mit jmd reden, der juedisch war, oder zumindestens aus irgendwelchen gruenden fluechten musste..und ich wuerde gerne mal “Mein Kampf” lesen, ganz einfach, weil ich versuchen moechte, saemtliche Seiten dieser Zeit nachzuvollziehen.

    Frueher interessierte ich mich ueberhaupt nicht fuer das was davor war, der erste Weltkrieg etc, aber das hat sich jetzt geandert…habe begonnen, auch stark in diese Richtung zu recherchieren.

    Ausserdem liebe ich es, meinen Stammbaum bis vor 1300 zumindestens vaeterlicherseits zu kennen…was mich auf eine Idee bringt..muetterlicherseits waere das doch auch mal spannend…..

  2. Quellenbeck Says:

    Wie ich laß hast du interesse dich einmal mit menschen zu unterhalten die damals unter der judenverfolgung litten, also direkt betroffen waren. Ich kann dir diesbezüglich nur die jüdische gemeinde in deiner nähe empfehlen. Die gemeinden stehen meistens gästen sehr offen gegenüber. Ein gespräch mit dem rabbi sollte auf jeden fall möglich sein. In vielen städten kannst du einfach in der synagoge vorbei schauen wenn dort etwas los ist.

  3. Man in Metropolis Says:

    Sei mir nicht böse, Frank. Das was jetzt noch fehlt ist der Link auf Pay Pal wo ich mein Geld an Frau Charlotte Knobloch überweisen kann, die kann es dann gleich nach Telaviv weiterleiten.

    Tut mir leid… bei diesem Beitrag kommen wir diesmal nicht zusammen.

    Ich persönlich habe die Nase voll von der nationalen Selbstzerfleischung und lasse mich nicht in meiner Identität als Deutscher auf 12 Jahre in der Geschichte eines Volkes reduzieren.

  4. Ju Says:

    @ man…ich denke das ist EIN teil, der sich mit weiteren teilen zusammenfuegt..und das ist reine information an die, die es nicht wahrhaben wollen..lies nochmal.

    @

  5. Scholle Says:

    nun, mir geht es jedesmal gegen den Strich, wenn Leute sich so vehement gegen diesen Teil der deutschen Geschichte aussprechen. Gerade hier zeigt es sich wieder: mit keinem Wort hat Frank irgendeinen Deutschen auf den Inhalt der Bilder reduziert, trotzdem sprichst du von Selbstzerfleischung.
    Klar, die heutige Generation hat mit den damaligen Umtrieben direkt nichts zu tun, zu ihrer Geschichte zählt die Zeit aber trotzdem.

  6. lonesome Says:

    Ich wundere mich immer nur, wenn Menschen meinen, dass jeder wohl doch “seine Meinung” haben dürfe. Und im stillen Kämmerlein unter den Ewiggestrigen wird sich gegenseitig auf die Schulter geklopft, wenn der eine sich traut halblaut zu sagen, dass das mit Ausschwitz und den ganzen KZ “ja gar nicht so war”.

    Was ist mit den Menschen, die dort gefolter und umgebracht wurden? Was mit den Angehörigen der Opfer oder Überlebenden?

    Warum wird der Öffentlichkeit nicht einmal klar gemacht, dass das Verharmlosen von NS-Taten nicht nur eine ungeheure Lüge, sondern auch eine Beleidigung gegenüber Opfern ist?

  7. Ju Says:

    mhm. wie siehts aus mit einem neuen eintrag? ich warte gespannt.

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