200: Der Graus, die Vergangenheit klopft an

October 18, 2006

Es war ein paar Wochen bevor Katharina zurück kam. Ein paar Wochen noch, bevor die Frau meines Lebens wieder bei mir ist. Mir war nach Zeitvertreib, Spaß, Freiheit und Herausforderung. Ich weiß schon jetzt nicht mehr wie wir uns kennengelernt haben, aber ich weiß dass ich plötzlich mit ihr in einem Cafe saß. Sie war nur ein Stückchen besser als langweilig und machte einen sehr verlassenen Eindruck. Aber sie einsam, genau wie ich. Es war wieder einer dieser Frauen, die von Selbstzweifeln geplagt sich in die Arme eines Arschlochs schmeißen. Und ich war gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Nach ein paar Gläsern Bier im Cafe lag sie plötzlich nackt und außer sich vor Aufregung unter mir. Wo waren wir eigentlich? Ich hatte das gar nicht so schnell realisiert. Wir waren spazieren, nein, zuerst sind wir in eine andere Bar umgezogen, dann waren wir plötzlich vor ihrem Haus und sie bat mich hinein. Ich bin in dem Punkt ein wenig wie ein Vampir, ich brauche eine eindeutige Einladung. Die hatte sie mir gegeben. Nach einer längeren Unterhaltung hatte ich Sie geküsst und wollte gehen. Doch sie wollte mich bei sich behalten.

Da waren wir nun, sie hatte das Bett unter sich durchnässt und stöhnte genüsslich, aber auch ein wenig verlegen. Es war bis wir anfingen miteinander zu schlafen spannend. Aber dann zeigte sich wieder diese so weit verbreitete Art der Frauen. Ich musste alles tun. Sie engagierte sich kein bißchen, außer dass sie mir sehr deutlich zu verstehen gab, dass sie mich will. Es dauerte eine halbe Ewigkeit. Ich begann sogar zu überlegen, ob ich nicht einfach früher komme, damit ich schneller weg kann. Aber das ist unfair. Eigentlich amüsant, dass ich da von unfair spreche. Aber die Verhältnisse waren geklärt.

Ich hatte ihr gesagt, dass ich momentan einen sehr stressigen Lebenswandel habe und diesen mit niemanden teilen möchte. Sie hatte gesagt sie ist einsam und freut sich, wenn sie jemand Sympathischen mal bei sich hat. Ist das dann noch unfair? Ich glaube sie kam irgendwann, zumindest fing sie wild und unkontrolliert wirkend an zu pulsieren, ihre Haut wurde überall heiß und ihre Atmung extatisch. Dabei drückte sie die Augen fest zusammen und streckte ihr Kinn mit offenen Mund nach oben, als ob sie schreien wollte. Aber sie gab keinen Ton von sich.

Einige Zeit später entspannte sie sich und hatte ein bisher ungesehenes Lächeln auf ihren Lippen. Ich dachte es wird langsam Zeit für mich. Wir kuschelten uns aneinander und ich verließ sie bald. Nur was hat es mir gebracht? Habe ich ihr geschadet? Ich glaube nicht. Sie war mir nicht böse und auch nicht sonderlich angeschlagen, als ich ihr das Wiedersehen versagte. Aber wofür ich dies mache, das ist mir nicht klar. Es meistens so, dass ich wieder Lust verspüre, jemand Neues intensiv kennen zu lernen. Dann packt mich die Herausforderung, der Spaß und auch das Verlangen. Parallel hierzu kommt in mir ein besänftigender Gedanke auf, dass ich die Damen nicht zwinge und dass sich keine über solche kurzen Geschichten beschwert hat.

Aber leider war es auch jedes Mal so, dass der Sex relativ langweilig war. Er war zumindest nicht so gut, wie mit einer richtigen Partnerin. Aber dieser Instinkt packt mich immer wieder, glücklich werde ich ohne das gelegentliche Nachgehen dieser Motivation nicht. Ich glaube meine Zielstrebigkeit und mein Konkurrenzdenken sind dabei unterbewusst eine treibende Kraft. Mein Leben lang musste ich mir anhören, dass ich der Beste sein muss, um zu überleben. Dass es niemanden gibt, der mir etwas schenkt. Sogar dass es viele Menschen gibt, die mich verachten könnten. Letzteres habe ich bereits mehrmals empfunden und selbst erlebt.

Dieses Streben nach eigener Perfektion und das Kontrollieren meines Fortschritts durch das Messen an der Konkurrenz motivieren mich immer wieder zu Dingen. Aber ich werde auch von einem anderen Gedanken grundsätzlich begleitet: Versuche niemandem zu schaden, niemanden auszunutzen und sei so ehrlich wie möglich. Leider habe ich letzteres nicht immer beherzigt, aber ich versuche meiner Linie treu zu bleiben.

Comments

11 Responses to “200: Der Graus, die Vergangenheit klopft an”

  1. krs on October 18th, 2006 5:27 pm

    das raubtier schlummert doch in allen von uns…
    und man kann es nicht zähmen.
    faszinierend ist eigentlich dass wir männer damit eigentlich eindeutig schwächer sind als frauen, die sind doch wesentlich kontrollierter.
    “Es war wieder einer dieser Frauen, die von Selbstzweifeln geplagt sich in die Arme eines Arschlochs schmeißen” den gedanken kenne ich sehr gut.
    gruss

  2. Man in Metropolis on October 18th, 2006 7:24 pm

    Genieße auch das nicht so perfekte. Ein gutes Essen weiss man(n) nur dann auch zu würdigen, wenn man(n) ab und an auch mal an der Curry-Wurst Bude an der Ecke ißt.

  3. Seraphima on October 18th, 2006 9:50 pm

    Hallo Frank, Du lebst doch jetzt in einer Beziehung, wie steht es da mit diesem Streben, dem Instinkt?
    Wäre das Streben nach einem neuen Ziel, einer glücklichen Partnerschaft ohne Betrug und Verrat nicht ein weit besseres Ziel? Wäre DAS nicht letztlich DIE Perfektion schlechthin? Wie viele Menschen, die Du kennst, können diese Perfektion aufweisen? Wäre das Ziel, sich hieran zu messen, nicht weit ehrbarer und damit vielleicht auch sinnvoller?
    Das sind nur einige meiner Gedanken und soll nicht heißen, dass ich über Dich urteilen möchte! :-)
    Lieber Gruß
    Seraphima

  4. Tine on October 18th, 2006 10:33 pm

    @ MiM: Jetzt vergleichen wir Frauen schon mit Curry-Würsten. Na bravo… ;)

  5. Man in Metropolis on October 19th, 2006 7:45 am

    Mhh… warum nicht… manchmal sind sie einfach billig und an jeder Ecke zu haben… ;-) … also der Vergleich hinkt nicht allzusehr

    *sich sehr für seine Respektlosigkeit schämt

  6. Tine on October 19th, 2006 9:45 am

    So habe ich das noch gar nicht gesehen… Aber zum Glück nennt man die Currywurst auch das “Carpaccio des Ruhrpotts”. Obwohl es auch nur eine schöner Bezeichung für das eine ist… ;)

  7. frank on October 21st, 2006 3:03 am

    ;) Carpaccio des Ruhrpotts rofl.

    Ich habe diese Motivation auch in meiner Beziehung, aber ich gehe ihr nicht nach. Zumindest nicht den ganzen Weg. Ich flirte ab und zu, obwohl ich dafür eigentlich zu beschäftigt bin. Aber sobald es zum Kaffeetrinken geht, verneine ich grundsätzlich. Aber es ist schwer.

    Perfektion? Ich kümmere mich lieber um meine eigene Perfektion, meine Fähigkeiten, mein Können, mein Wissen und meine Fertigkeiten. Das ist nunmal das, was immer da ist, egal was drumherum passiert. Perfektion in meinem Unternehmen, in meinen Beziehungen oder in sonstigen Projekten wird zwar prinzipiell angestrebt, unterliegt aber dem Streben nach meiner eigenen Perfektion.

    Der Curry-Wurst Vergleich ist top! Du bringst mich immer wieder zum Grinsen.

  8. lonesome on October 21st, 2006 8:59 pm

    Besser im Bett zu sein ist immer blöd. Man lernt nichts dazu ;)

  9. Kaweechelchen on October 23rd, 2006 10:33 pm

    “Aber dann zeigte sich wieder diese so weit verbreitete Art der Frauen. Ich musste alles tun. Sie engagierte sich kein bißchen, außer dass sie mir sehr deutlich zu verstehen gab, dass sie mich will.”
    Komisch, ich kenne nur das Gegenteil, also statt Frau, den Mann, der eben dieses denkt. Vielleicht sollten wir den Bekanntenkreis tauschen? Interessant…
    (Ich muss gestehen, dass ich immer denke:was ist das denn für einer???,-wenn du von “langweiligen Frauen” schreibst. Wieso sucht man sich langweilige Menschen aus, verbringt Zeit mit ihnen und meckert dann darüber?”)

  10. Fabian (Pseudoblog) on October 25th, 2006 10:35 am

    Lass trotzdem wieder mal was von dir hören! ;)

    Oder bring wenigstens mal das Blog-Update, so dass ich mir die alten Beiträge wieder mal durchlesen kann (ohne 5 Minuten auf das Laden des Archivs zu warten).

  11. lonesome on October 28th, 2006 10:56 pm

    Ja du könntest wirklich mal wieder was schreiben! Wo bleibst du denn? :(

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