153: Was macht guten Sex aus? Teil 1 - Sexuelle Intelligenz

August 4, 2006

Manchmal fehlen mir richtige Metallstangen im Bettgestell, die machen das fesseln der Partnerin wesentlich einfacher.Hat guter Sex etwas mit Intelligenz zu tun? Oder mit dem Bildungsgrad? Die Antwort ist ganz einfach: *Jein.*Jeder kennt das alte Sprichwort: „Dumm fickt gut“. Da ist aber nun einmal leider/zum Glück nichts dran. Auch dafür kann man zu dumm sein. Aber der Bildungsgrad hat sehr wohl auf einige Dinge einen starken Einfluss, die wiederum die Qualität des Sex beeinflussen können. *Verwirrend?* Kein bisschen…Es mag sein, dass heutzutage eine Menge an unseren Schulen passiert. Wenn ich im Bus oder in der Bahn noch sehr jungen Schülern/SchülerInnen zuhöre, wird besonders explizit über Praktiken erzählt, die ich in dem Alter noch nicht einmal kannte. Dann auch noch mit dieser Selbstverständlichkeit, die mich schon fast schockiert. Es wirkte schon fast, als ob es auch ein Schulfach wäre. Aber in der Unterstufe gibt es dieses Fach nicht, auch nicht in den Stufen danach.*Sex ist aber auch kein Abiturfach.* Hat die Bildung Auswirkungen auf den Sex? Vielleicht sind ungebildete Menschen selbstloser? Begeben sie sich mit weniger Scham oder Stolz an die Sache? Und geben sich mehr Mühe, tun eher Dinge, die jemand, der mehr rational bewertet und nachdenkt, eher weniger tun würde? Stolz, Scham oder Hingebung haben nichts mit dem Bildungsgrad zu tun. Es mag zwar sein, dass es eine sehr kleine statistische Korrelation gibt, aber diese reicht mir nicht in der Suche nach den Antworten. *Was ist mit Dummheit?*Wie kommt es zu dem Irrglauben, dass dumme Menschen gut im Bett sind? Ich erinnere mich an einen Bericht zu einer Studie, der besagte, dass Menschen mit einem niedrigeren IQ eher naturverbundener sind. Hier könnte also weniger Abneigung/Scham gegenüber der natürlichen Reproduktionstechnik zu finden sein. Aber auch hier fehlen mir einerseits die Bestätigungen aus dem Felde, andererseits klingt dies zu weit her geholt. Die Partnerinnen, die ich für weniger mental begabt halte, waren (bis auf eine) durch die Bank weg schrecklich im Bett. Von den (meiner Meinung nach) besonders intelligenten waren ein paar mehr wirklich gut im Bett, aber auch nicht sonderlich viele.Für „normalen/üblichen“ Sex gibt es also kaum Erklärungen, wieso IQ oder Bildungsgrad einen Einfluss haben sollten. Aber für Fetisch sieht dies ganz anders aus. Ich kenne zwei Mitglieder verschiedener Fetisch-Gruppen. Und von beiden höre ich, dass der Bildungsgrad fast aller Mitglieder mindestens ein Uni-Abschluss ist. Die einzigen beiden Ausnahmen sind Selbstständige, mit relativ großen Unternehmen unter ihrer Leitung. Auch fast alle Personen, von denen ich weiß, dass sie einen Fetisch haben, sind meiner Meinung nach überdurchschnittlich intelligent.Was mich an eine erotische Bekanntschaft mit einer sehr machtbewussten und unheimlich scharf(sinnig)en Steuerberaterin erinnert. Diese Dame war selbstständig, strahlte eine fühlbare Autorität aus und füllte den Raum mit ihrer Persönlichkeit. Sie war auch mir gegenüber fast kommandierend, bis eines Tages, als wir kurz alleine in ihrem Büro waren. Es ging eigentlich um ihre Website, aber sie hatte auch gerade ein Computerproblem. Ich sagte ihr scherzhaft, aber mit einem sehr strengen Unterton, dass sie ihren Computer unartig behandelt hat, und dass ich sie dafür jetzt rügen müsse. Sie schaute mich von unten herauf an, zog ihre Augenbrauen hoch, und machte ein unschuldiges Gesicht. Dabei biss sie sich auf ihre Unterlippe, legte ihre Hände übereinander auf ihren Schoß und schluckte. Diese Signale schienen nicht gerade Abneigung zu zeigen, weshalb ich auch weiter machte. *Aber dies ist eine andere Geschichte.*Ich erinnere mich aber auch an eine Studie, bei der herauskam, dass über 80% der Befragten, die Bondage als Leidenschaft angaben, einen Uni-Abschluss hatten. Vielleicht liegt das daran, dass Akademiker eben kopflastigere Menschen sind und sich deshalb schneller ein Fetisch bildet…Für mich gilt: Ich habe einige Fetische, und diese haben immer diejenigen geteilt, die erfolgreich in der Schule und der Uni waren. Das ist natürlich kein wissenschaftliches Ergebnis, aber durchaus eine Richtung. Aber weder IQ noch Bildungsgrad haben einen direkten Einfluss auf bettliche Qualitäten.Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Comments

11 Responses to “153: Was macht guten Sex aus? Teil 1 - Sexuelle Intelligenz”

  1. Manu aus dem Chaos on August 4th, 2006 10:26 am

    “weder IQ noch Bildungsgrad haben einen direkten Einfluss auf bettliche Qualitäten”

    Kann ich unterstreichen. Vom “irgendwie doof und ich lebe nur für Parties” Mädel bis zur ambitionierten und schon fast zu ergeizigen Psychologiestudentin hatte ich schon das Vergnügen… quasi ein guter Querschnitt durch die “Bildungsklassen”. Egal mit wem, wir hatten unseren Spaß, haben auch mal mit seltsameren Sachen experimentiert, langweilig wars im Bett nie. Extreme gabs allerdings keine :)

  2. barbara on August 4th, 2006 11:18 am

    wenn der Mann seine linke und die Frau ihre rechte Hirnhälfte in den Zwischenspoeicher schiebt, ist das denn nicht der beste Sex?

  3. Man in metropolis on August 4th, 2006 11:42 am

    Ich denke die Wirkung ist indirekt. Zum einen gibt es die vorhandene Intelligenz, die nutzt aber nichts wenn die vorhandene Intelligenz nicht in die Praxis transferiert wird.

    Ich bezeichne die angewandte Intelligenz mal als Intellekt.

    Wenn Du über einen entsprechenden Intellekt verfügst, dann bist wahrscheinlich eher in der Lage Dich, Deine eigene Person und Deine Bedürfnisse zu erkennen und zu reflektieren. Und wenn Du es schaffst Deine Bedürfnisse zuerkennen und auch anzunehmen, (sehr wichtig), dann (so ist meine Meinung) bist Du auch im Stande sie auszuleben.

    Ich habe Frauen erlebt, die einfach in ihrem sexuellen Betätigungsfeld dermaßen eingeschränkt waren, weil sie sich über die ihnen auferlegten und angenommenen Wert- und Moralvorstellungen nicht hinweg setzen konnten. Sie kamen gar nicht dazu ihre Bedürfnisse ergründen, weil sie in ihrem Kopf einfach eine unüberwindbare Grenze (”Das macht man aber nicht…”) gezogen war.

    Anders herum habe ich Frauen gehabt, die eine ziemlich genau Vorstellung davon hatten was sie mögen und auch gezielt darauf hingearbeitet haben, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Und die haben sich über ” das man tut und das was man nicht tut” knallhart drüber hinweggesetzt.

    Diese Sorte von Frauen sind starke Naturen und ausgeprägte Charaktere. Die Versionen, die ich kennenlernen durfte, hatten ausnahmslos etwas im Schädel und hatten einen hohen Anspruch an sich und ihr Umfeld (was nicht unbedingt mit einem akademischen Grad zu tun haben muss).

    Wenn ich heute zurückblicke, dann ist es meine beste Entscheidung gewesen, größer zu denken und mich über Grenzen hinwegzusetzen. Und das schöne ist, kaum hast Du eine Grenze überwunden, triffst Du nach einiger Zeit auf die nächste die es zu überwinden gilt.

    Und richtig Glück hast Du, wenn Du an jemanden gerätst, der diesen Weg mit Dir geht.

  4. Man in metropolis on August 4th, 2006 11:48 am

    Vielleicht sollte man trennen zwischen “Mit dem Partner zärtlich und liebevoll schlafen” und “Mit dem Partner Sex haben”.

    Kann nur für mich sprechen, habe aber bei mir gesehen, dass das völlig zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

  5. Rociel on August 4th, 2006 1:32 pm

    Was das mit dem Bondage-Fetisch, Kopflastigkeit und Uniabgängern angeht: Leute, die normalerweise alles unter Kontrolle haben (d.h. in der Tat eher ‘kopflastig’ sind; Angst vor Kontrollverlust haben), wollen genau das im Bett nicht und sich dabei eher fallen lassen. Das heißt: genommen werden. Laut Frauenzeitschrift. Ich für mich kann’s jedenfalls bestätigen (-:

  6. lonesome on August 4th, 2006 1:39 pm

    Hallo Frank!
    Ja du hast Recht! Es gibt junge Kinder, die heute von Praktiken wissen, wo ich in meinem Alter mit den Ohren wackle. Sechsjährige die von Oralsex palawern etc. Kein Scherz!
    Vielleicht ist guter Sex eine Mixtur aus Reife, Intelligenz und nicht zuletzt der Bettgeschmack beider Partner, die gut finden, was sie da treiben :) Das war jetzt sehr polemisch. Entschuldige.

  7. Neri on August 4th, 2006 2:59 pm

    Ich kann da nur für meine Zunft sprechen: Wir wurden letzlich in einem Psychologie-Seminar damit konfrontiert, daß Menschen, die den Berufsstand des Mediziners für sich ausgewählt haben (NC liegt derzeit bei rund 1,3), statistisch gesehen eine überwiegend triebhafte Sexualität haben… wir sind also theoretisch so eine Art große Swinger-Community ;)

  8. Think Different on August 4th, 2006 6:05 pm

    *Sex passiert im Hirn*

    Gut im Bett wird man durch:

    1) Kennen der eigenen Bedürfnisse
    2) Bedürfnisse des Partners *spüren* (!!!Empathie!!!)
    3) Erfahrung
    4) Kreativität

    Intellekt ist nur dann hilfreich, wenn man ihn auch zielgerichtet einsetzt! Ansonsten eher hinderlich ;)

    Theoretisch wird Frauen ja nachgesagt, sie hätten mehr empathische Fähigkeiten. Aber: *Für wen liegen die Hürden auf dem Weg zum Bett höher?* Wer sich nicht anstrengen muss, wird nicht besser…

  9. Björn on August 5th, 2006 7:57 pm

    ich kenne mich mit sowas nicht aus ;)

  10. krs on August 6th, 2006 9:02 pm

    ich habe mal ein bisschen nachgeforscht, es gibt soweit ich fündig werden konnte, keine studien zum thema, aber wir arbeiten ab jetzt daran, in spätestens zwei jahren gibt es ergebnisse.
    ich melde mich dann

  11. Frank on August 10th, 2006 8:49 am

    Die Frage des Begriffs “Intellekt”, die Mr. Metropolis aufgebracht hat, ist eine Gute.

    Es gibt auf jeden Fall Menschen, bei denen Sex einfach “nur” eine besondere Form von Nähe ist, für andere geschieht es im Kopf… Die rein körperliche Herangehensweise finde ich ziemlich langweilig.

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